Brand New
Jesus Christ
Jesus Christ, that’s a pretty face
The kind you’d find on someone I could save
If they don’t put me away
Well, it’ll be a miracle
Do you believe you’re missing out
That everything good is happening somewhere else?
But with nobody in your bed
The night’s hard to get through
And I will die all alone
And when I arrive I won’t know anyone
Well Jesus Christ, I’m alone again
So what did you do those three days you were dead?
Cause this problem’s gonna last more than the weekend.
Well Jesus Christ, I’m not scared to die,
I’m a little bit scared of what comes after
Do I get the gold chariot?
Do I float through the ceiling?
Do I divide and fall apart?
Cause my bright is too slight to hold back all my dark
And the ship went down in sight of land
And at the gates does Thomas ask to see my hands
I know you’ll come in the night like a thief
But I’ve had some time alone to hone my lying technique
I know you think that I’m someone you can trust
But I’m scared I’ll get scared and I swear I’ll try to nail you back up
So do you think that we could work out a sign
So I’ll know it’s you and that it’s over so I won’t even try
I know you’ll come for the people like me
But we all got wood and nails
Tongue tied to a hating factory
But we all got wood and nails
Your tortured (and hanging) factory
Yeah, we all got wood and nails
Your tortured (and hanging) factory
Yeah, we all got wood and nails
And we sleep inside of this machine
(Quelle: vimeo.com)
Gefragt von supergott
Danke. Ich zitiere die eigentlich komplett ätzenden Coldplay:
its such a shame for us to part
nobody said it was easy
no one ever said it will be this hard
oh take me back to the start
Da haben sie sehr recht.
Sie fehlt.
Das ist die einfachste und kürzeste Formel, um mein Leben dieser Tage zu beschreiben. Kein Pathos, kein RomCom-Quatsch, keine suizidalen Liebesschwüre auf Büttenpapier und keine Akustik-Balladen.
Sie fehlt.
Mir.
Der erste Schock ist vorbei, hat sich gelegt, ich habe geheult und gezittert, war mutlos und am Boden zerstört.
Es sind einige Tage vergangen seither, und ich habe ein bisschen Stabilität zurückgewonnen, durch andere Menschen, durch Ablenkung, und, so simpel es klingt: auch durch die vergangene Zeit.
Aber Stabilität ist zuwenig, um glücklich zu sein, und näher war ich Glück in den vergangenen Jahren nicht, als in der wenigen Zeit mit ihr.
Vielleicht haben wir beide zuviel auf einmal gewollt, zuviel erwartet, uns zu verzweifelt an die Idee der Rettung nach erlittenem Schiffbruch geklammert, und sind daran (vorerst) gescheitert.
Ich sage vorerst. Ich hoffe vorerst.
Momentan schweigen wir. Dabei möchte ich ihr soviel sagen, sie streicheln, im Arm halten, sie fühlen.
Das geht jetzt nicht. Und das muss wohl auch so sein, um Gedanken zu ordnen, Gefühle zu prüfen, klar zu kommen, Perspektiven zu entwickeln, abzuschließen oder neu anzufangen.
Die Stiche im Herzen halte ich aus. Aber sie sind da. Und sie zeigen mir, dass ich noch lieben kann. Dass ich lebendig bin.
Wie auch immer das Ganze ausgeht: diese Erkenntnis kann mir keiner wegnehmen.
Und doch: sie fehlt.
Immer.

Daylight licked me into shape
I must have been asleep for days
And moving lips to breathe her name
I opened up my eyes
And found myself alone alone
Alone above a raging sea
That stole the only girl I loved
And drowned her deep inside of me
(The Cure “Just Like Heaven”)
Wiederholungen sind meist lästig.
Aber das kann ich Euch und mir ja nun offensichtlich nicht ersparen, denn bis jetzt sehe ich das Debutalbum von Pure Love irgendwie nicht in den iTunes Top 10 oder ähnlich gearteten Rankings.
Also nochmal von vorne, manches muss offensichtlich intensiver kommuniziert werden:
Es war einmal ein kleiner, rothaariger Mann namens Frank. Da er in Großbritannien geboren wurde, müssen wir ihn Fränk nennen. Frank heißt Fränk in England. Da könnt Ihr jeden fragen.
Das ist Fränk. Sein Shirt ist gerade in der Wäsche. Deswegen guckt er so traurig. Ist dann aber relativ schnell wieder trocken gewesen, und heute kann er schon wieder drüber lachen.

Jedenfalls: dieser Fränk war nicht nur klitzeklein und sehr rothaarig, er hatte auch eine sehr schöne Stimme und konnte prima malen!
Wahrscheinlich hatte er in Musik und Kunst jedesmal 15 Punkte, das weiß man heute nicht mehr so genau. Verdient hätte er sie aber auf jeden Fall.
So kam es, dass er mit seinem Bruder Stephen (Ihr müsst Stievn sagen, Steffen wäre falsch) eine Band gründete.
Da sie in Wattford (das ist in England) jetzt nicht so immens idyllisch lebten und keinesfalls zu den oberen 10.000 zählten, waren sie konstant schlecht gelaunt. Deswegen eine Punkband.
Diese Punkband nannten sie Gallows.
Das sind die Gallows:

Ihr könntet ja mal versuchen Stephen (Stievn!) zu finden! Er sieht Frank (Fränk!!) sogar ein bisschen ähnlich.
Weiter im Text: die Gallows waren für 5 Jahre die beste Punkband der Welt und der personifizierte Arschtritt für den ganzen Quatsch, der aus Amerika kam und sich Punk nannte.
Ich habe der Band hier schon mal einen Artikel gewidmet, den könntet Ihr bei Bedarf konsultieren, zum Verständnis dieses Posts ist es allerdings nicht zwingend notwendig.
Wo war ich?! Ach ja: irgendwann hatte der kleine rothaarige Frank (Fränk!) keinen Bock mehr auf Hardcore-Punk.
Er hatte kurz zuvor ein hübsches Mädchen getroffen und sich furchtbar verliebt, und wie das immer so ist wenn die Liebe dazwischen kommt, ists meist Essig mit Riot, Revolte und Strassenschlacht.

Deswegen warf der kleine Frank (Fränk!) die Brocken hin und ging nach Amerika, um fortan mit der Frau seiner Träume ein Tattoostudio zu betreiben, und dass er davon etwas verstand, leuchtet wohl jedem ein, der ihn eine Weile betrachtet.
Da saß er nun in Amerika und tätowierte wildfremden Menschen Piratenschiffe auf die Knöchel.

Und dachte währenddessen nach…
Rockstar zu sein, das war ja schon auch nicht übel, aber wieder nach jeder Show zur Notaufnahme?!

Da hatte Frank (Fränk!) nun auch keinen Bock mehr drauf, er wurde ja auch nicht jünger, und hatte mit der Liebe auch ein bisschen Frieden gefunden.
Deswegen rief er seinen alten Freund Jim Carroll an, (Jim spricht man wie Jim, da kann man nicht viel falsch machen!)
Frank (Fränk) hatte nämlich bereits vor seinem Ausstieg bei den Gallows Songs geschrieben, die in eine deutlich melodischere, rockigere Richtung gingen, für die er aber vom Gallows-Publikum wohl den einen oder anderen Schlag in den Nacken bekommen hätte.
Die wollte er jetzt aber doch aufnehmen, denn die waren, und das wissen wir heute, geil. Sehr geil.
Gesagt, getan.
Die beiden bastelten zusammen in aller Ruhe über das gesamte vergangene Jahr hinweg an ihrem ersten Album.
Nicht irgendein Album. DAS ALBUM.
Dieses hier, um genau zu sein:
Es ist am 05.02. erschienen.
Es ist das beste Rockalbum seit Jahren.
Ich möchte nicht mit Superlativen geizen, denn im Rock kommt seit Ewigkeiten nur uninspirierte Scheiße.
Deswegen ist diese Platte so wichtig. Und deswegen ist sie jetzt schon ein Must Have für jeden, der Lachnummern wie Nickelback, 3 Doors Down etc pp. bis zum Erbrechen satt hat, und sich fragt, ob diese Top40-Kasper das Genre endgültig in die Grütze geritten haben.
Nee nee. Da ist Hoffnung. Dank Pure Love.
We are the wrong and the guilty,
We are the young and the unimpressed.
We are the handsome devil’s club,
Lust, life and death.
We are the hopeless hearts,
We are the fools in love,
We are the handsome devil’s club.
Album streamen?! Einfach auf das Cover klicken!
Da ist es nun schon fast wieder vorbei, das Jahr. Das geht ja irgendwie auch alles immer schneller mittlerweile, unablässig fliegen einem plötzlich die Kalenderblätter um die Ohren!
Gerade war ich noch ein orientierungsloser, neurotischer Mittzwanziger mit vollem Haar, da bin ich auf einmal ein orientierungsloser, neurotischer Enddreißiger mit bedingt vollem Haar.
Und dennoch: Es war ein gutes Jahr, dieses 2012.
Alle, die mir wichtig und lieb sind, sind noch da.
Manche mit frischen Blessuren vom Leben, mit Narben und Wunden, und doch stehen sie noch im Ring, angeschlagen, manchmal taumelnd, aber unbesiegt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Einige haben auch ihr individuelles Glück gefunden, sind zufriedener, positiver und mehr mit sich im Reinen als noch einige Monate zuvor.
Es gibt oder es wird neue, tolle Kinder geben. Es gibt neue Jobs, neue Beziehungen, neue Familien, Wohnungen, Reisen, neue Horizonte, neue Freunde.
Es gab aber auch Trennungen, Trauer, Angst, Depression, Ungerechtigkeit und tragische Abschiede.
Und doch: alle die mir wichtig und lieb sind, sind noch da.
Und: es sind neue Menschen dazugekommen, die ich im Herzen trage, und andere, die mir wichtiger geworden sind.
2012 war ein gutes Jahr.
Wer mich etwas besser kennt, der weiß, dass ich aus einer Pfarrersfamilie komme. Insofern hab ich einen famosen Draht zum Chef ganz oben.
Und völlig unabhängig davon, ob Ihr Anhänger des Wicca-Kultes, Justin Bieber-Jünger, St.Pauli-Ultras oder Atheisten seid: ich bin froh, dass jemand dieses Jahr auf Euch aufgepasst hat.
Und ich habe ein gutes Wort für Euch eingelegt, dass es auch in den nächsten Jahren so bleibt.
Denn ich will auch in genau 12 Monaten wieder sagen können:
2013 war ein gutes Jahr.
Fröhliche Weihnachten Euch allen.

Hui Freunde, die Zeit rennt ja wieder! Gerade noch habe ich in lauschiger Runde 5 Alben aus der ersten Jahreshälfte 2012 empfohlen, da ist die zweite ja quasi schon fast wieder zu Ende!
Mutti taut bereits die Gans auf, und ich horte Streusalz und schnitze Weihnachtsbaumkugeln aus Bakelit.
Was war denn aber nun in den letzten Monaten musikalisch beim Eisen los? Hat der wieder nur seine alten Brosis-Platten gehört, und neuen Bands jedwede Chance auf heimische Heavy Rotation verwehrt?!
Da sag ich: Natürlich. Und doch auch wieder nicht.
Es gab auch im besagten Zeitraum akustische Diamanten im Staub der Mainstream-Gosse, und weil die Vorweihnachtszeit bekanntlich auch die Zeit des Gebens ist, teile ich diese mit Euch.
Los gehts:
1. Billy Talent “Dead Silence”

Wenn man mich vor dieser Platte nach den 5 nervigsten Stimmen im Rockbiz gefragt hätte, der Typ von Billy Talent hätte den Pokal abgegriffen.
Zu markerschütternd das hektische Gekreische von Kowalewicz, um den prinzipiell eigentlich ganz fluffigen Kompositionen Genuss abzuringen.
Das ist vorbei, offensichtlich hat ihm einer mal einen Zettel mit ebendieser Message zugesteckt, und so treffen die funkensprühenden Riffs von Ian D’Sa, dem Mann mit der albernsten Frisur der Nordhalbkugel, erstmals auf lupenreinen GESANG!!
Das funktioniert tatsächlich über die komplette Albumlänge so gut, dass ich stehenden Fusses ins Fandasein konvertierte.
Anspieltip: “Surprise, Surprise” mit einem der simpelsten und zugleich geilsten Gitarrenriff der letzten 5 Jahre.
Fette Platte. Nuff said.
2. Gallows s/t

Die Gallows sind wieder da.
Also fast. Nachdem Frank Carter, seines Zeichens Leadsänger und Front-Irrer vor einem Jahr beschlossen hatte, lieber ganztägig hässliche New Traditionals zu tätowieren und das Handtuch warf, war die Bestürzung groß.
Zu elementar war dieser manische Pygmäe mit der Gossenstimme direkt aus der Londoner Kanalisation für die Gallows.
Dass mit seinem Ausstieg die Band komplett am Arsch und damit auch am Ende war, war mir und vielen anderen klar wie Kloßbrühe.
Und die Verpflichtung des ehemaligen Alexisonfire-Gitarristen Wade McNeil als neuer Shouter schien auch nur bedingt clever zu sein.
Ein Kanadier als Sprachrohr der wichtigsten britischen Punkband seit den Sex Pistols?!! Ach nö..
Nun, ich bekenne freimütig: ich habe mich geirrt.
Das hier sind jetzt zweifellos nicht mehr die Gallows zur Carter-Ära, aber es sind die Gallows im Jahre 2012.
Und das ist immer noch eine verdammt tighte, aggressive Punkband mit einem Händchen für grandiose Hooklines und Slogans.
Knapp 30 Minuten auf die Zwölf, ohne überflüssigen Tinnef und Balladengeschwurbel.
Gallows are dead, long live Gallows.
Anspieltip: “Everybody loves you (when you´re dead)”
3. The Gaslight Anthem “Handwritten”

Ich sags gleich: mit dieser Platte hab ich mich anfänglich schwer getan.
Zu übermächtig war “The ‘59 Sound”, und zu unspektakulär wirkten im Direktvergleich die (trotzdem immer noch sehr guten) Nachfolgealben “American Slang” und eben “Handwritten”.
Mit einigen Monaten Abstand bleibt zu sagen: grundsätzlich bleibe ich bei meiner Einschätzung.
“‘59 Sound” kann die Band wohl in diesem Leben nicht mehr toppen, zu groß ist die Hitdichte auf diesem Meilenstein des modernen Rock’n’Roll.
Was bleibt, ist unterm Strich aber dennoch ein famoses Album mit einigen Längen. Aber genau dieses Problem hat Bruce Springsteen, musikalischer Ziehvater Brian Fallons, ja ebenfalls seit geraumer Zeit.
Sollte man haben.
4. Deftones “Koi No Yokan”
Es gibt sie noch, die Überlebenden des NuMetal-Booms der 90er.
Den meisten fehlt aber leider die Einsicht, den eigenen musikalischen Zenit prinzipiell schon mit dem zweiten Album deutlich überschritten zu haben.
Bands wie Korn, Staind und Limp Bizkit definieren heutzutage zuverlässig Fremdscham neu, aber scheinbar besteht in ländlichen Gefilden ja nach wie vor Bedarf an einem adäquaten Soundtrack zur Maurerlehre. So sei es.
Die Deftones waren von jeher anders, verzweifelter, destruktiver, komplexer und bedrohlicher als die genannten Kaspercombos.
Nicht zu Unrecht gilt “White Pony” als eins der wichtigsten Alternative-Alben der letzten Dekade.
Nach einigen eher mittelmäßig spannenden Platten und allerlei persönlichen Krisen haben sich die Jungs dann 2010 mit dem überraschend starken “Diamond Eyes” eindrucksvoll zurückgemeldet.
Dies zu einem Zeitpunkt, als ich sie eigentlich schon von der Karte gestrichen und als pure Verwalter ihres einst großartigen musikalischen Erbes abgelegt hatte.
Dafür darf mir Chino Moreno eine klatschen, denn “Diamond Eyes” war keine Einzeltat, auch ”Koi No Yokan” schlägt in dieselbe Kerbe und legt sogar noch einen drauf: die Gitarrenwände, das Flüstern, Schreien, Singen, die Dynamikwechsel, die fantastischen Melodien: alle Trademarks aus der guten alten Zeit sind wieder da!
Heftig geiles Album!
Wir sehen uns live Anfang 2013.
Anspieltip: “Leathers”
5. We Are The Ocean: “Maybe Today, Maybe Tomorrow”

We Are The Ocean ist eine britische Alternative-Rockband.
Das klingt erstmal wie Mädchenmusik, und das ist ja per Definition auch meist toll. So haben die Beatles auch angefangen, und seien wir ehrlich: als die begonnen haben, Musik für Kritiker zu machen, wurde es anstrengend…
Jedenfalls: WATO haben zwei Vorgängeralben draußen, die einen perfekten Mix aus Pop, Alternative-Rock und dezenten Hardcore-Elementen boten, und die mich und eine relativ überschaubare Menge anderer Menschen in Deutschland sehr geflashed haben.
Der Hardcore-Part wurde mit dem Wechsel des Shouters ins Management der Band quasi eliminiert, was bleibt ist eine Platte voller unaufgeregter, kleiner Hymnen mit verzerrten Gitarren und der fantastischen Stimme des Leadsängers Liam Cromby.
Kann man auch ohne Frauen hören, mit macht aber mehr Spass.
Schönes Album.
…und dann war da noch..
Soundgarden “King Animal”

Das Cover ist ganz schön.
Guten Tag,
da bin ich wieder.
“Wieder” ist in diesem Falle korrekt, denn ich war vergangenes Wochenende unterwegs.
Es galt, die wahrscheinlich trueste Metalband nach Manowar, Steel Panther, abzufeiern.

Kurz zum Konzept der Band:
man nehme 4 fantastische Musiker mit spätpubertärem Humor der allerersten Güte und Lyrics über die wirklich relevanten Dinge im Leben wie fette Mädchen knattern, Analverkehr, das Brennen beim Wasserlassen u.v.m…
das ganze visuell stark angelehnt an die dunkelsten Momente der Rockgeschichte in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. (vgl. Mötley Crüe/Cinderella/Whitesnake/Poison/Ratt etc pp)
Am Ende bleibt die beste Metal-Parodie aller Zeiten, ganz in der Tradition von Spinal Tap und Co, eine Art EAV mit Verzerrern.
Wer jetzt angefixt ist, kauft sich die beiden bisher erschienenen Alben und lacht sich ins Wachkoma. Wer nicht, soll halt weiter Coldplay hören.
Jedenfalls: musste ich zwingend live sehen, und das ging aus diversen terminlichen Gründen nur in Köln.
Also geschwind in den frühen Morgenstunden des Samstags den Zug nach Köln geentert und ab dafür.
Nach einem Kaffee und einer faszinierenden kurzen Stadtführung nebst Exkurs in die lokale Mythologie durch eine sehr charmante Bekannte (Grüßchen!!) dann ab ins Hotel:

Die Lage war fantastös, direkt am Rhein, die Zimmer waren deswegen auch direkt am Rhein, und das ist dann leider auch schon das Positivste an der Sache, aber ich hatte eh noch dezent Restalkohol im System, obwohl das ja auch schon wieder eine ganz andere Geschichte ist.

Egal, kurz auf dem kargen Feldbett das Bewußtsein verloren, und gegen sechs wieder die Road hitten zur Live Music Hall in Köln-Ehrenfeld.
Am dortigen Bahnhof bestand das liebreizende Begrüßungskomittee aus lauter famosen Menschen, die ich entweder schon seit langem, oder eben spätestens seit Samstag liebe.
Die waren alle schon recht aufgeräumt, was ich in nicht unerheblichem Mass dem bereits vorangegangen Bierkonsum zuschreibe, aber so war dann die Marschrichtung des Abends wenigstens schon mal klar.
Ich hatte bis dato kein Bier, dies haben wir dann schleunigst bei Yilmaz, seines Zeichens Betreiber des gutsortierten Shoppingparadieses am Bahnhof, geändert.
Und da traf ich ihn: den Pimmelmützenmann!
Ein völlig entspannter Typ mit Metal-Shirt und eben jener namensgebenden Kopfbedeckung, die er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch am Gürtel trug.
Der wollte nicht zu Omma, der wollte auch zu Steel Panther, das war mal klar!
Menschen mit schönen Dingen muss ich immer ansprechen, deswegen habe ich ihm natürlich sofort Tribut gezollt, er bot mir darauf freimütig an, ich dürfe gern mal anfassen! KRACHER!
Ab diesem Zeitpunkt waren die Minuten bis zur Blutsbrüderschaft eigentlich gezählt, und kurz darauf entstand dieses Dokument gegenseitiger Zuneigung:

In der Live Music Hall angekommen, bot sich dem staunenden Betrachter ein unfassbares Bild:
ÜBERALL liebevoll kostümierte Menschen in Leoparden-Spandex-Buxen, Jeanskutten, Perücken und Bandanas!
Und ich verklemmtes Arschloch sah aus, als stünde als nächstes eine BWL-Vorlesung aufm Stundenplan!
ICH WUSSTE ES ABER DOCH NICHT BESSER!!

Und jetzt kommt das Beste: die waren alle bunt, ulkig, dezent angetrunken und trotzdem NETT!! NEEEETTT waren die!! Zu mir!
Die kannten mich ja gar nicht, und trotzdem bin ich jede Minute mit neuen Typen ins Gespräch gekommen, inklusive High Fives und dummer Sprüche!
Kein Stress, kein Hipster-Posing-Scheiß, kein Pseudo-Coolness-Dreck, wir benehmen uns alle einfach mal 3 Stunden wie 12jährige und haben Heidenspass dabei.
Vom BVB-Südtribünen-Ultra bis zur Mittvierziger-Akademikerin: alle haben zusammen diese Miniversion von Woodstock mitgetragen!
Ich hab zig Konzerte gesehen, aber ich hab mich in der Tat noch nie so wohl gefühlt wie in Köln.
Das Steel Panther dann kurz nach 21:00 Uhr gewaltig den Sack zugemacht haben, versteht sich von selbst. Das die Halle sie dementsprechend abgefeiert hat, auch.

Speziell bei den Anmoderationen hab ich mehrfach eindrucksvoll Bier vor Lachen aus der Nase erbrochen. They call me the human geysir now.
Das war alles ganz großer Sport da. Dass der Abend dann später an Absurdität im nahegelegen Burger King noch deutlich zulegte, gehört hier nicht hin.
Da müsst Ihr halt beim nächsten Mal mit uns weggehen.
Ich war dann irgendwann nachts mit amtlich Schlagseite wieder in meinem Hotelzimmer mit dem DDR-Interieur und bin im Morgengrauen wieder nach Hamburg gefahren.
Im Vorbeigehen noch schnell das Wahrzeichen von Köln, den Wurst-Ronny fotografiert, und Adieu!

Abschließend möchte ich sagen:
Rheinländer sind großartig. Sie feiern härter, sympathischer und ulkiger als Berliner oder Hamburger. (Besonders als Berliner!)
Köln ist furchtbar schön und furchtbar charmant.
Hört mehr Steel Panther.
Verwendet mehr Zeit auf die Wahl Eurer Hotelzimmer.
Küsschen und Rock’n’Roll-
Euer Silvereisen
Gefragt von Anonym
Das ist nur teilweise richtig. Mit dem Herzen war ich stets bei ihm. Und ich habe die Hoffnung nicht begraben, dass dereinst in diesen schäbigen Hallen wieder Hymnen entstehen werden. Oder wir essen Labskaus. Mir ist beides recht.
Guten Tag,
heute weiche ich etwas vom üblichen Schema ab, und werde einige zutiefst intime Einblicke in mein Privatleben gewähren.
Ich werde in groben Zügen umreißen, wie ich Nähe und menschliche Bindungen für mich definiere und welche Wertigkeit in diesem Kontext Verwandtschaftsgrade haben.
Meine Familie ist nicht besonders groß, und da ich keine Geschwister habe und sich meine Eltern früh getrennt haben, beschränkt sie sich auf den mütterlichen Teil.
Das ist per Definition noch nichts schlimmes, es ist ja in der Kindheit durchaus nett, zu größeren Familienfeiern diverse Cousins etc um sich zu haben, mit denen man gemeinsam unbemerkt Dinge anzünden kann, während die Erwachsenen sich die Kante geben.

Wahrscheinlich auch aufgrund der räumlichen Trennung setzte aber mit jedem weiteren Jahr eine schrittweise Entfremdung ein, die wohl alle Beteiligten als nicht besonders tragisch empfanden.
Ganz besonders Mitte der Neunziger, als ich auf dem Zenit meiner anmutigen kleinen Rebellionsphase war, hätten unsere Ansichten und Lebenswege nicht unterschiedlicher sein können.

Während ich durchs Abitur fiel, mir diverse Gesichtspartien piercen ließ, Haare bis zum Lendenwirbel trug und davon träumte, Rockstar zu werden, lasen meine Cousins und Cousinen Sonette, hörten Mozarts Requiem, trugen Obertrikotagen aus Kaschmir und schwärmten für die CDU.

Ich kiffte zu Soundgarden in Abbruch-Häusern, sie lauschten bei einem Gläschen Chardonnay mehrstündigen Opernaufführungen.
Ich habe in der Tat noch NIE so frühvergreiste Menschen getroffen wie Teile meiner gleichaltrigen Verwandtschaft.
Trotz dieser gravierenden Unterschiede zwangen uns unsere Mütter jedes Jahr aufs Neue an Heiligabend miteinander telefonisch zu kommunizieren, eine Tradition, die wir alle offensichtlich hassten, um des lieben Friedens willen aber notgedrungen erfüllten.

“Na, habt Ihr schon gegessen?”
“Nein, aber gleich.”
“Ah. Und der Baum?”
“Ja, total schön!”
“Ja, bei uns auch. Naja, ich muss mal auflegen!”
“Oh. Ich auch. Tschüss.”
In den letzten Jahren hab ich mich diesem Quatsch dann einfach verweigert. Und die Welt ist auch nicht untergegangen.

Jetzt heiratet mein Cousin kurz vor seinem 40. Geburtstag in London, und hat mich eingeladen.
Ich habe abgesagt.
Einerseits, weil ich in der Tat arbeiten muss, und Urlaub illusorisch wäre. Andererseits, weil es eine erneute eindrucksvolle Demonstration der Tatsache wäre, das wir uns nichts zu sagen haben.
Da ist nichts. Ich fühle mich diesen Menschen kein Stück verbunden. Sie wissen nichts über mich, ich weiß nichts über sie, und das Tolle ist: Das macht überhaupt nichts!!
Da ist kein Groll oder ähnliches, alle sind ziemlich nett, aber der Gemüsemann bei mir um die Ecke ist auch total nett, und trotzdem verbringe ich meine Freizeit nicht mit ihm! (Obwohl das vielleicht sogar ganz kurzweilig wäre…)
Ich möchte nichts über klassische Musik, Wertpapieranalysen, Chefarzt-Anekdoten, Weinjahrgänge, Banker-Gossip und Skiurlaub in Aspen wissen. Bei diesem ganzen NeoCon-Dreck ziehts mir von jeher mit beachtlicher Vehemenz die Schuhe aus.
Die wiederum sind höchstwahrscheinlich ebensowenig an meinen Gedanken zur neuen Pennywise, den Büchern von David Foster Wallace, der zweiten Staffel Dexter, Gitarren, Tattoos, der Brillanz von Kurt Krömer etc pp. interessiert…
Also warum in alles in der Welt sparen wir uns dann nicht einfach das Geheuchel?!
Und das ist auch die Kernaussage:
Verwandtschaft bedeutet nicht automatisch Seelenverwandtschaft, Blutsbande etc sind pathetisches Geschwafel!
Dieser ganze La Famiglia-Scheiß mag für Tony Soprano okay sein, für mich nicht. Wenn mir jemand nicht wichtig ist, kann er sich ein Ei auf die Tatsache backen, dass wir einige Chromosomen teilen.

Nahezu alle meine Freunde stehen mir um ein zigfaches näher als 99% meiner Familie. Denn Euch hab ich mir ausgesucht.
In diesem Sinne: gut, dass Ihr da seid!
