“Pah, Arschgeigen.”

Das war meine erste Reaktion auf die Absage einer Firma aus Berlin, bei der ich mich vor einiger Zeit beworben habe.

Das Stellenprofil war super, das Gespräch vielversprechend, Berlin irgendwie spannend und abstoßend zugleich. Ich hatte ein gutes Gefühl, als ich im Anschluß zurück nach Hamburg fuhr.

Gut, das Medium, um welches es sich drehen würde, war in meinen Augen nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert, aber wen schert denn das, wenn auf der persönlichen Ebene alles groovy scheint?! Mich offensichtlich eher nicht so.

“Wir melden uns im Januar!” Ja, habt Ihr ja nun. Danke auch. Und nachdem ich heute die unpersönliche eMail mit den üblichen Absage-Floskeln seltsam unbewegt erhalten habe, mach ich mal eine emotionale Inventur: 

Bin ich verzweifelt? Nö. Enttäuscht? Minimal. Betrachte ich es als persönlichen Rückschlag? Geht so. Eigentlich nicht.

Wieso ist das denn so?! Naja, wenn ich mal resümiere: seitdem ich mit knapp 20 den Arbeitsmarkt betrat, packt mich alle 3, höchstens 4 Jahre eine seltsame Unruhe.

Dann stell ich alles in Frage, beruflich, persönlich, das kanns doch nicht gewesen sein, da muss noch was kommen, ich verschwende mich, man hört ja nur geiles von Stadt XY..

2011 hab ich diese magische Grenze dann hier in Hamburg überschritten. Und ich hörte seitdem diese Stimme in mir drin, die mir dieses altbekannte Lied singt.. “Berlin, Alter, geh ma nach Berlin, da isses bestimmt besser.”

Das hat nun nicht geklappt.

Und ich schätze, der Chef ganz oben hat da schon den Überblick, und es ist richtig so. Vielleicht wär ich am ersten Tag auf die U-Bahn-Gleise gefallen und totgefahren worden. Damit ist ja auch keinem geholfen. Hoff ich jetzt mal?!

Vielleicht muss ich einfach mal aufhören, diesem verlockenden “Erase and Rewind”-Gedanken alle Jahre wieder Glauben zu schenken, und irgendwo ankommen.

Berufliche Veränderung ist ja legitim. Dich fordert Dein Job nicht mehr, prima, such Dir halt n neuen. Aber jedesmal alle Leinen kappen und den Hausrat in Brand setzen: nicht so clever auf Dauer. Wirkt wohl nur bis Ende 20 charmant und flexibel..

Und ehrlich: irgendwann gehen mir auch die Fluchtpunkte aus. Zumindest solange die zivile Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steht.

Hamburg ist schön und war eigentlich gut zu mir. Ich hab tolle Leute kennengelernt, es fehlt mir an nichts und ich jammere auf höchstem Niveau. (Nebenbei bemerkt eine Eigenschaft, die ich anderen nicht im Ansatz durchgehen lasse, ohne ihnen rüde Worte entgegenzuschleudern!) 

Also: Hamburg, ich bleib (erstmal) da. Leute, danke dass Ihr mich und meine unsäglichen Stimmungsschwankungen ertragt. Ich kann nicht versprechen, dass ab heute ausschließlich Mr. Ausgeglichen ans Telefon geht. Aber ich könnte es zumindest versuchen.

  1. von dersilvereisen gepostet