Hallo.

Schon wieder Musik. Ich wünschte wirklich, ich könnte diesen Blog zumindest ansatzweise mit anderen Themen füllen. Die Munch-Ausstellung in Bremen, der Bahnhofsneubau in Stuttgart, der Staatsbankrott Griechenlands, etc pp.. prinzipiell alles heißer Blogger- Stoff, geht mir aber leider am Arsch vorbei.

Ich bin jetzt 36, und seit ich bewusst denken kann, dreht sich immer alles um Musik. Sicher gibt es Nebenschauplätze wie Literatur und Filme, aber am Ende des Tages berührt mich nichts so nachhaltig wie ein fantastisches Album einer grandiosen Band.

Viel hat sich in den letzten 25 Jahren getan, ich habe meine Vorlieben mit dem Alter erweitert, bin wesentlich weniger dogmatisch geworden, und kann mittlerweile auch einem guten Jazz- Album einiges abgewinnen. 

Um meine musikalische Sozialisation seit den 80ern dennoch grob chronologisch nachvollziehen zu können, bedarf es einiger Erläuterungen.

Deswegen habe ich mich heute abend entschlossen, Euch meine persönlichen 10 Platten für die Ewigkeit zu nennen. 

Das ist keine Hitliste, jedes Album steht für einen Abschnitt meines Lebens und ist untrennbar mit Situationen, Gefühlen, Gerüchen und Farben verbunden. 

Ladies and Gentlemen, here we go:

The Beatles “Help”

Die Beatles. Das Alpha und das Omega. Meine Mutter ist bis zum heutigen Tag ein Die Hard-Beatlesfan, deswegen bin ich natürlich zwangsweise bereits als Kleinkind mit den Fab Four zugedröhnt worden.

Und ich habe es geliebt, und liebe es noch immer. Unglaubliche Harmonien, perfekte Popsongs.. Diese Jungs sind zurecht auf dem Olymp. “Help” ist meine Lieblingsplatte, aber natürlich ist jedes Album State of the Art.

Die Ärzte “Debil”

Himmel, was habe ich in den 80ern die Ärzte geliebt. Ich hatte die Alben bis 89 nur als extrem beschissen kopierte Audio-Kassetten, aber das hat meiner Liebe zur Band keine Nanosekunde Abbruch getan.

Unvergessen der Tag, als ich noch zu DDR- Zeiten eine Antwort auf meinen Autogrammwunsch erhielt, und eine signierte Karte nebst Brief auf grünem (!) Briefpapier ausm Briefkasten fischte.

Nie war ich dem Herztod so nah wie damals, und für diese generöse Geste, auch die Fans hinter der Mauer nicht hängen zu lassen, muss man diese drei Spinner einfach ins Herz schließen.

Depeche Mode “Music For The Masses”

Da braucht es keine Erklärung. Depeche Mode war in der DDR eine eigenständige Religionsform. Ich war, bin und bleibe Devotee. Das ist der Soundtrack meiner Jugend. Mit dieser Band verbinde ich unzählige Erinnerungen, und ich werde sie für immer, immer, immer in meinem Herzen tragen. Pathos? Von mir aus.

Bros “Push”

Kennt die noch jemand? Bros? Die Zwillinge aus UK, die 1988 wie aus dem Nichts auftauchten und eine ganze Teenager-Generation in ihren Bann zogen?! 

Die Mädchen drehten einen Sommer lang komplett durch, auch bei uns in Karl-Marx-Stadt, und selbst wir coolen Jungs konnten uns des Grooves von “When Will I Be Famous?” und “I Owe You Nothing” nicht erwehren. Der Kram war einfach saumäßig catchy!!! 

Wir haben versucht, den Look der Goss-Zwillinge mit unseren bescheidenen Mitteln zu kopieren, und dank Arbeitsschuhen, Kruzifix-Ohrring und Pomade sah ich wohl nie wieder so astrein bescheuert aus wie damals. Aber Reue?! Fuck off!!

Die Toten Hosen “Ein Kleines Bisschen Horrorschau”

Die Hosen. Es gibt ja diese Glaubensfrage: Beatles/ Stones und Ärzte/ Hosen…

ich kann nur sagen: Beide!! Ende der 80er war “Hier kommt Alex” das härteste Stück, was ich bis dato gehört hatte, und in der FDJ- Diskothek von 17:00 -21:00 Uhr hab ich zum ersten Mal Pogo gesehen! 

Es galt ja das eherne Gesetz für jeden DJ, 60% Ostmusik, 40% Westmusik. Dankenswerterweise haben die Jungs die Ostsachen kurzerhand vor Öffnung des Clubs gespielt, und einfach ab 15:00 Uhr zwei Stunden Puhdys und ähnlichen Scheiß laufen lassen. 

Sobald die ersten Besucher den spärlich beleuchteten Raum betraten, regierten westliche Interpreten, unter anderem eben auch die Hosen.

Mit der “Horrorshow” fing damals alles für mich an, und im Gegensatz zum aktuellen Output der Ärzte find ich die Hosen auch heute noch großartig.

The Cure “Disintegration”

Kann man die Pubertät ohne The Cure überstehen?! Also damals keinesfalls, dafür wurden Weltschmerz und Melancholie zu perfekt von Robert Smith vertont.

Frühe Alben waren mir als melodieverliebtem Popjüngelchen zu avantgardistisch, aber mit “Disintegration” hatten sie mich kalt erwischt.

Und nachdem ich Mutter mit knappen Worten meine sofortige Zugehörigkeit zur Gruftie- Szene erläuterte, verschwand ich seufzend in meinem schwarz gestrichenen Zimmer. Sie hatte es wohl auch nicht so leicht damals.

Heroes del Silencio “Senderos De Traicion”

Mein erstes Jahr auf dem Gymnasium. 1992. Irgendwie war alles im Umbruch, und ich wußte auch nur bedingt wohin mit mir, mit meinen Emotionen, meinen Plänen und dem ganzen Rest. Und dann dauernd überall diese Mädchen! Mann!!!

Wenn man in diesem Jahr einen Club besuchte, kam man an “Entre Dos Tierras”, dem Smashhit der Band nicht vorbei. Fand ich alles total geil, diese Mischung aus exotischen spanischen Lyrics und extrem eingängigem Indiewasweißichdennrock…

Dass wir kein einziges Wort von dem verstanden, was der Sänger so von sich gab, hat unsere Inbrunst beim Mitgröhlen nicht wesentlich geschmälert. Ich hab bis zur Auflösung 1996 jedes Konzert im unmittelbaren Umkreis besucht. Es war immer großartig.

Ich habe bis heute allerdings nicht die leiseste Ahnung, worum es in den Songs geht.

The Cult “The Singles 1984 -1995”

Zweites Jahr in der Oberstufe. Einer von uns hat bereits die Fahrerlaubnis, und darf hin und wieder den gelben Wartburg seines Vaters benutzen, um seine angetrunkenen Freunde (darunter natürlich ebenfalls der Erzähler) durchs nächtliche Chemnitz zu chauffieren. 

Im Auto ein recht wählerisches Tapedeck. Es akzeptiert genau zwei Kassetten: Roland Kaiser “Seine größten Erfolge” (lag im Auto und gehörte wohl dem Vater) und eine Kopie der Singles-Collection von The Cult.

Roland Kaiser kam nur mittelgut an, wenn man versuchte, Frauen zu beeindrucken, deswegen entschieden wir uns für Heavy Rotation des Cult-Tapes, und siehe, es hinterließ Spuren: ich kann noch heute alle Texte dieser Platte auswendig, und Billy Duffy ist einer meiner persönlichen All-Time-Guitar-Heroes.

Oasis “Whats The Story (Morning Glory)”

Muss ich nicht begründen. Mach ich auch nicht. O-A-S-I-S!! ‘nuff said!

Life of Agony “Ugly”

1995. Ich leiste Zivildienst und bin 20. Die heftigsten emotionalen Schwankungen glaubte ich hinter mir (und heilige Scheiße, was sollte ich mich irren!!), dennoch bleibt die Liebe zur großen Geste und Pathos bei gleichzeitiger Gitarrendröhnung.

Wie gerufen kommen mir da Life of Agony aus NYC, die bereits auf ihrem ersten (Konzept) Album “River Runs Red” den Suizid zum Leitmotiv erkoren haben..

Mit ihrem zweiten Album “Ugly” wirds musikalisch deutlich eingängiger, aber lyrisch keinesfalls weniger dramatisch. Der Sänger Keith Caputo (mittlerweile transsexuell und als Frau namens Mina auf Tour) verarbeitet in den Texten den Herointod seiner Mutter und seine persönlichen Depressionen so intensiv, dass meine damalige Freundin und ich geschlagene 6 Monate nichts anderes als dieses Album hören.

So, das waren 10 Alben, die ein elementarer Bestandteil meiner Biographie sind. Natürlich hätte ich auch 10 weitere nennen können, aber für heute abend und jetzt fühlen sich diese richtig an.

Gute Nacht.

  1. disordernow hat gesagt: Genial!
  2. andhopeisjustaword hat gesagt: Wow, noch jemand der Heroes del Silencio mag :-) Guter Geschmack - auch der Rest!
  3. von dersilvereisen gepostet